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Kirchenmusikalische Richtlinien
1. „Die Kirchenmusik ist ein wesentlicher Bestandteil der feierlichen Liturgie.“
„Namentlich sorge man dafür, dass der Gregorianische Gesang beim Volk wieder eingeführt werde, damit die Gläubigen an der Feier des Gotteslobes und der heiligen Geheimnisse wieder tätigeren Anteil nehmen.“
„Auch lasse man sich angelegen sein, die alten Singschulen wieder ins Leben zu rufen, wie es an mehreren Orten bereits mit größtem Nutzen geschehen ist.“
(Motu proprio, P.Pius X., 1903)
Die Aufforderung des Psalmisten „Singet dem Herrn“ hat sich die Kirche von Anfang an zu Eigen gemacht. Wie sonst könnte der heilige Paulus schreiben: “Lasst in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen. Singt und jubelt aus vollem Herzen zum Lob des Herrn!“ (Eph 5,19).
Auch in der jahrzehntelangen Geschichte unserer Pfarrei ist die Kirchenmusik von Anfang an ein wichtiger Teil pfarrlichen und gottesdienstlichen Lebens gewesen. Der erste Stadtpfarrer war zugleich erster Chorregent und leitete einen kleinen gemischten Chor, bis mit Josef Thoma im Jahr 1932 ein hauptamtlicher Kirchenmusiker angestellt wurde.
Mit der Pfarr-Sing- und Musikschule wurde ebenfalls ein Wunsch des Motu proprio verwirklicht. Sie hat sich bis heute als segensreiche Einrichtung für die Pfarrei erwiesen.
2. „Es ist in der Tat durchaus notwendig, dass die Gläubigen nicht wie Fremde oder stumme Zuschauer, sondern, von der Schönheit der Liturgie ganz ergriffen, an den heiligen Zeremonien so teilnehmen, dass sie mit dem Priester und dem Sängerchor nach den gegebenen Vorschriften im Gesang abwechseln.“ (Divini cultus sanctitatem, P.Pius XI., 1928)
Schon in den ersten Jahren der Pfarrei Herz Jesu, aus denen dieser Satz stammt, war die Beteiligung der Gläubigen an der Liturgie ein großes Anliegen der Kirche. Man braucht nur an die liturgische Bewegung zu denken. Neben dem liturgischen Chorgesang an allen Sonn- und Feiertagen und bei vielen anderen Anlässen galt die kirchenmusikalische Arbeit diesem Ziel, unabhängig von den Zeitläufen und vom Wechsel im Chorregentenamt.
3. „Würde und Wirkungskraft der Kirchenmusik sind um so größer, je näher diese an das heiligste Geschehen des christlichen Kultes herankommt, an das eucharistische Opfer des Altares.“ (Musicae sacrae disciplina, P-Pius XII., 1955)
Es war und ist immer Aufgabe des Kirchenmusikers, die enge Bindung der musica sacra an die Liturgie zu beachten. Kirchenmusik ist nicht „Kunst um der Kunst willen“, sondern nimmt teil an der Verkündigung, wird eigenständige liturgische Äußerung, z.B. im Lobpreis des Gloria-Hymnus, im Antwortpsalm, im Sanctus, im Stundengebet der Kirche.
4. „Der Gebrauch der lateinischen Sprache soll in den lateinischen Riten erhalten bleiben:“ (…)“Da nicht selten der Gebrauch der Muttersprache für das Volk sehr nützlich sein kann, soll es gestattet sein, ihr einen weiteren Raum zuzubilligen.“
„Ihre vornehmste Form nimmt die liturgische Handlung an, wenn der Gottesdienst feierlich mit Gesang gehalten wird (…) und das Volk tätig teilnimmt.“
„Der Schatz der Kirchenmusik möge mit größter Sorge bewahrt und gepflegt werden. Die Sängerchöre sollen nachdrücklich gefördert werden.“
„Die Pfeifenorgel soll in der lateinischen Kirche als traditionelles Musikinstrument in hohen Ehren gehalten werden; denn ihr Klang vermag den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar zu steigern und die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel emporzuheben.“ (Liturgiekonstitution, II.Vat. Konzil, 1963)
Die Konstitution über die heilige Liturgie wurde von den Konzilsvätern am 50. Jahrestag des Motu proprio P.Pius X. (22.November) fast einstimmig angenommen. Am 4. Dezember 1963 promulgierte Papst Paul VI. die Konstitution. Am gleichen Tag vor 400 Jahren hatte das Konzil von Trient seine liturgischen Beschlüsse verabschiedet.
Diese Übereinstimmung ist ein Hinweis auf das bleibende Anliegen einer Erneuerung und Vertiefung kichenmusikalisch-liturgischen Denkens und Handelns. Die mit der Konstitution eingeleitete Reform wollte die Liturgie und ihre Musik für die Gläubigen verständlicher und damit zugänglicher machen. Der wichtigste äußere Schritt dazu war die Erlaubnis, die Muttersprache in der Liturgie zu verwenden. Damit waren den Kirchenchören und Komponisten, aber auch dem Kirchenvolk neue, zusätzliche Aufgaben gestellt. Im Jahr 1975 wurde das Einheitsgesangbuch Gotteslob eingeführt. Das deutschsprachige Kirchenlied und der Gemeindegesang erhielten größere Bedeutung und ein erweitertes Angebot an Gesängen.
Die Chorregenten in unserer Herz-Jesu-Pfarrei nehmen lateinische und deutsche, alte und neue Kirchenmusik in die Gottesdienste des Kirchenjahres auf, so, wie es die kirchlichen Richtlinien wünschen. Auch die Chorarbeit ist bestrebt, anspruchsvolle Kirchenmusik und aktive Teilnahme der Gläubigen in Einklang zu bringen und gleichzeitig einem missverständlichen konzertanten Denken zu begegnen. Dass Kirchenchor, Gemeinde und Klerus diese Absicht unterstützen, darf dankbar anerkannt werden.
Sehr wohl auch konzertant genutzt wird die neue große Orgel, deren Weihe am 01.04.1990 durch Weihbischof Wilhelm Schraml ein Hauptereignis in meiner Amtszeit darstellte. Hier werden die Konzerte zu einer sinnvollen Ergänzung der liturgischen Kirchenmusik. Der Förderkreis für Kirchenmusik, hervorgegangen aus dem Orgelbauverein, nimmt sich dieser Aufgabe tatkräftig und erfolgreich an.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass unsere Pfarrei Herz-Jesu den Auftrag einer sorgfältigen und vielfältigen Pflege der Kirchenmusik mit großem ideellem und finanziellem Engagement erfüllt. Als derzeitiger hauptamtlicher Kirchenmusiker freue ich mich darüber, danke aber auch dem Klerus und der Kirchenverwaltung für jede Unterstützung und erhoffe von allen Pfarrangehörigen die Bereitschaft zu aktiver musikalischer oder fördernder Mitarbeit, damit die Kirchenmusik in unserer Pfarrei auch bei der Hundertjahrfeier einen guten Klang besitzt, der Gott zur Ehre und den Menschen zur Erbauung und Freude gereicht. Peter Kosmus
Chorleiter in Weiden Herz Jesu:
1. Pfarrer Franz Xaver Schweiger 1922-1932
2. Kirchenmusikdirektor Josef Thoma 1932-1977
3. Blommer Rainer und Blommer Evi 1977-1980
4. Kosmus Peter seit 1980